Olga Neuwirthaus neue Musik

Aufgenommen von Priska Ketterer im Jahr 2002, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia CommonsOlga Neuwirth (* 4. August 1968 in Graz) ist eine österreichische Komponistin.

Leben

Olga Neuwirths Vater ist der Pianist Harry Neuwirth. Sie ist die Nichte von Gösta Neuwirth; die Bildhauerin Flora Neuwirth ist ihre jüngere Schwester. Durch ihre Mutter, die Kontakte zur Wiener Gruppe hatte, lernte Neuwirth Konrad Bayer, H. C. Artmann und Alfred Kolleritsch kennen.

Neuwirth wuchs in Schwanberg auf, ihre Schulausbildung erhielt sie in Deutschlandsberg. Ihre ursprünglichen Pläne, Trompete zu studieren, musste sie nach einem Unfall mit Kieferverletzung aufgeben. Bereits als Gymnasiastin nahm sie an Kompositionsworkshops mit Hans Werner Henze und Gerd Kühr teil. Mit sechzehn begegnete sie Elfriede Jelinek, mit der sie sich anfreundete. Ihrer ersten Komposition gab die Siebzehnjährige den Namen „Die gelbe Kuh tanzt Ragtime“.

Beim 2. Jugendmusikfest Deutschlandsberg 1985 arbeitete sie mit Hans Werner Henze an „Robert, der Teufel“. Diese Kommunaloper in zwei Akten, mit einem Libretto von Elfriede Jelinek (nach einem weststeirischen Märchen), wurde am 27. Oktober 1985 in der Koralmhalle Deutschlandsberg uraufgeführt.

Ab 1985 studierte sie in San Francisco am Conservatory of Music und am Art College, Malerei und Film. In Wien setzte Olga Neuwirth ihre Studien an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst sowie am Elektroakustischen Institut fort. Von 1993 bis 1994 studierte Neuwirth bei Tristan Murail in Paris. Wesentliche Anregungen erhielt sie durch die Begegnungen mit Adriana Hölszky (Nicht beirren lassen! Weitermachen!) und Luigi Nono. Das Studium schloss sie mit einer Magisterarbeit „Über den Einsatz von Filmmusik in ,L’amour à mort‘ von Alain Resnais“ ab.

1991 wurde Olga Neuwirth mit Mini-Opern nach Texten von Elfriede Jelinek international bekannt.

Neuwirth gehört zur musikalischen Avantgarde und sieht sich angeregt und inspiriert von der mit ihr befreundeten Schriftstellerin Elfriede Jelinek. So beschreibt sie selber ihre Musik als „Katastrophenmusik“, welche einen grundlegenden Pessimismus zum Ausdruck bringt, in dem dennoch nicht Verzweiflung herrscht, sondern die vorherrschende Empörung Kraft gibt für künstlerische Projekte. Aufgrund dieser Einstellung und der auf Harmonie weitgehend verzichtenden Umsetzung ihrer musikalischen Werke gilt Neuwirth als Enfant terrible der klassischen Musikszene Österreichs. Die Klangmuster ihrer Musik ähneln verschlungenen Labyrinthen und ändern sich ständig. Neuwirth verbindet Klassik und Elektronik mit natürlichen Klängen. Sie schätzt als Stimme den Countertenor, beispielsweise in Bählamms Fest (Jeremy) und Lost Highway (Mystery Man).

1999 wurde die Oper Bählamms Fest bei den Wiener Festwochen uraufgeführt. Neuwirth widmete das Auftragswerk, das sie seit 1997 in Venedig geschrieben hatte, ihrer Mutter. 2000 war sie Composer-in-Residence beim Koninklijk Filharmonisch Orkest van Vlaanderen in Antwerpen, 2002 (mit Pierre Boulez) bei den Luzerner Festwochen. Ihr für Pierre Boulez und das London Symphony Orchestra geschriebenes Werk Clinamen/Nodus war nach der Londoner Uraufführung 2000 auf einer weltweiten Tournee zu hören. 2002 war sie composer-in-residence bei den Luzerner Festwochen. 2003 erfolgte in Graz die Uraufführung des Musiktheaters Lost Highway. Bei den Salzburger Festspielen 2006 wurde ihr Trompetenkonzert von den Wiener Philharmonikern uraufgeführt.

Olga Neuwirth nahm 2007 an der documenta 12 teil. 2008 fand die englische Erstaufführung von Lost Highway an der English National Opera statt.

2008 arbeitete sie bei dem Projekt „Der absolute Film“ mit, bei dem Filme aus den Zwanzigerjahren neu vertont wurden: Neuwirth komponierte dabei die Musik für Symphonie diagonale aus dem Jahr 1924. Sie schrieb außerdem die Musik zum Film Das Vaterspiel von Michael Glawogger.

Das Auftragswerk The Outcast wurde 2012 von Michael Simon am Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt, allerdings nicht im Sinne der Komponistin und ihrer Librettisten Anna Mitgutsch und Barry Gifford. Ihr Orchesterwerk Masaot/Clocks without Hands wurde am 6. Mai 2015 von den Wiener Philharmonikern unter Daniel Harding in der Kölner Philharmonie uraufgeführt.

Neuwirths Oper Orlando, basierend auf dem Roman von Virginia Woolf, ist die erste von einer Frau komponierte abendfüllende Oper, die von der Wiener Staatsoper beauftragt wurde. Die Uraufführung fand am 8. Dezember 2019 statt.
Quelle Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Olga_Neuwirth

Diskografie